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Wie Gitarrenakkorde aufgebaut sind

Sicher hast du schon die wichtigsten Gitarrenakkorde gelernt. Anfangs kamen die offenen Akkorde, dann hast du dich durch die Barréeakkorde gequält. Doch hast du auch gelernt, wie sie aufgebaut sind? Warum du sie so greifst und warum Dur-Akkorde anders klingen als Mollakkorde? Wenn nicht, lies direkt weiter!

 

Zu wissen, wie Akkorde aufgebaut sind, wird dir definitiv weiterhelfen, denn so kannst du dir selber Griffe herleiten. Selbst entdeckte Griffe wirst du sicher im Kopf behalten, während du auswendig gelernte Grifftabellen vermutlich schnell wieder vergisst. Mein Gitarrenlehrer hat früher immer darauf bestanden, dass ich die Zusammenhänge wirklich verstehe und ich bin da sehr dankbar für. Man sollte eben immer wissen, was man tut. Auch, wenn du nur Soli spielen und shredden willst, solltest du die Akkordtöne kennen, damit du dich auf die zugrundeliegenden Akkordfolgen beziehen kannst. Und ja, du solltest auch Rhythmusgitarre spielen können 😉 .

 

Es wäre für diesen Artikel von Vorteil, wenn du mit dem Begriff ,,Intervall“ etwas anfangen kannst und zumindest theoretisch weißt, was eine Terz ist. Wie eine Terz auf dem Griffbrett aussiehst, lernst du hier.

 

Doch nun zum Hauptthema: Akkorde sind aus Terzen aufgebaut. Wir gehen hier zunächst von Dreiklängen aus, also brauchst du zwei übereinander geschichtete Terzen. Für einen Dur-Akkord musst du zuerst eine große Terz vom Grundton - also der Ton, der dem Akkord den Namen gibt (z.B. C beim C Dur-Akkord) - aus bilden. Diese greifst du auf allen Saiten der Gitarre folgendermaßen:

Der Griff ist also für alle benachbarten Saiten außer der g- und b-Saite gleich und lässt sich frei über’s Griffbrett verschieben.

 

Um den Dur-Akkord zu vervollständigen, brauchst du aber auch eine kleine Terz. Diese greifst du auf der Gitarre so:

Wieder bilden die g- und b-Saite die Ausnahme und der Griff bleibt ansonsten gleich, egal in welchem Bund.

 

Bauen wir mal einen C Dur-Akkord. Vom Grundton C gehen wir eine große Terz weiter, also vier Halbtöne höher. Der vierte Halbton und damit große Terz ist das E. Von hier gehen wir drei Halbtöne, also eine kleine Terz, nach oben. Damit landen wir beim G, der Quinte des Grundtons C. Damit ist der Akkord komplett:

Du kennst C Dur bestimmt so, wie im Folgenden dargestellt. Hier wird der Akkord um die Oktave des Grundtons auf der b-Saite im ersten Bund und der Oktave der großen Terz auf der leeren hohen e-Saite erweitert:

Bei Moll-Akkorden sind große und kleine Terz vertauscht, du bildest also erst die kleine Terz vom Grundton aus und von dort aus eine große Terz. Das heißt, die Quinte bleibt bei Dur und Moll gleich, nur die Terz verändert sich und damit auch der Abstand zwischen Terz und Quinte. Sehen wir uns das für C Moll einmal an:

Dies sind die Akkorde in Grundstellung. Auf der Gitarre spielst du sie meistens als Umkehrung. Das heißt, dass die Töne anders angeordnet sind. Z.B. greifst du beim offenen A-Dur-Akkord auf der D-Saite die Quinte E und auf der G-Saite die Oktave der Leersaite A als Grundton. Auf der b-Saite liegt dann die Terz. Auf Akkordumkehrungen gehe ich aber nochmal gesondert ein, heute geht es nur um den grundlegenden Aufbau von Dreiklängen.

 

Sus2, add9 und sus4-Akkorde

Vermutlich hattest du mit diesen Akkorderweiterungen bereits zu tun. Im Wechsel mit dem Dur-Akkord kann man mit diesen Formen schöne, melodische Begleitungen spielen. Doch zunächst solltest du wissen, was diese Bezeichnungen bedeuten und wie sie sich auf den Akkord auswirken.

 

Wir bleiben weiter beim C Dur Akkord und machen daraus einen Csus2. Sus bedeutet suspended, also suspendiert. Suspendiert ist in diesem Fall die Terz, was ja eigentlich der Bezeichnung nach die 3 wäre, daher ist der Name sus2 etwas irreführend. Du lässt die Terz also weg und spielst die D-Saite leer. D ist die Sekunde vom C, also die 2. Diesen Ton kannst du auch nochmal oktaviert auf der b-Saite im dritten Bund einbauen und fertig ist der Csus2-Akkord:

Im Vergleich dazu gucken wir uns mal den Cadd9-Akkord an. Du ergänzt (add = hinzufügen) C Dur um die Sekunde D, allerdings spielst du sie nur auf der b-Saite. Aufgrund der Tonlage wird sie aber als None, also 9, bezeichnet, was bedeutet, dass die Sekunde eine Oktave höher klingt. Die Terz bleibt dieses Mal erhalten und somit spielst du die D-Saite im zweiten Bund:

Merke dir also: Csus2 = Terz fällt weg, Cadd9 = Terz bleibt erhalten.

 

Nun gibt es auch sus4-Akkorde. Was sus bedeutet, weißt du ja schon, nur ersetzt du dieses Mal die Terz mit der Quarte des Grundtons. Die Quarte von C ist F und somit greifst du für den Csus4-Akkord die D-Saite im dritten Bund. Du kannst dazu die hohe e-Saite im ersten Bund greifen, oder aber du lässt sie weg. Auf keinen Fall solltest du das E mitspielen, das klingt sonst nicht so schön (aber probier es ruhig aus 😉 ). So sieht der Csus4-Akkord aus:

Sus2 und sus4 funktionieren auch für Mollakkorde. Da das für die offene Lage von C etwas schwierig ist, probiere es doch mal mit A Moll. Wenn du den Zeigefinger anhebst, mit dem du die kleine Terz C im ersten Bund der b-Saite greifst, erhältst du einen sus2-Akkord. Greifst du im dritten Bund der b-Saite mit dem kleinen Finger, erhältst du einen sus4-Akkord.

 

Verminderte und übermäßige Akkorde

Eher selten verwendet, aber gut für interessante und spannungsreiche Sounds, sind verminderte und übermäßige Akkorde.

 

Der verminderte Akkord, auch dim (für diminished = vermindert) bezeichnet, enthält nur kleine Terzen. Er befindet sich in der Dur-Tonleiter auf der siebten Stufe. Wieder bleiben wir beim Grundton C und gucken uns den Cdim-Akkord an:

 

Da dieser von der A-Saite aus nicht zu greifen ist, habe ich ihn eine Oktave höher notiert. Gerade für Harmonisch Moll brauchst du diesen Akkordtyp häufiger.

 

Der übermäßige Akkord, Akkordsymbol aug für augmented = übermäßig (nicht für ,,auge" 😉 ), ist hingegen nur aus großen Terzen aufgebaut. Auch er findet in Harmonisch Moll Verwendung, in der populären Musik aber eher selten. So sieht Caug auf der Gitarre und im Notenbild aus, wieder eine Oktave höher notiert:

Das war viel Stoff für heute. Natürlich solltest du das alles nach und nach verdauen und dich erstmal mit dem Aufbau von Dur und Moll beschäftigen, bevor du zu den Erweiterungen und zu den verminderten/übermäßigen Akkorden übergehst. In meinem Video zu Akkordformen auf drei Saiten zeige ich, wie du dir andere Griffe herleiten kannst. Suche aber auch selber nach Möglichkeiten, die dir bekannten Akkorde anders zu greifen.

 

Gerade im Jazz findest du fast ausschließlich Vierklänge vor. Wie diese aufgebaut sind und welche Erweiterungen es gibt, erfährst du in einem gesonderten Artikel an dieser Stelle.

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