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Wie du Gitarrenakkorde leicht(er) wechseln kannst

Wenn du mit dem Gitarre spielen anfängst, lernst du erstmal die offenen Akkorde. Angefangen mit E-, A- und D-Dur kommen dann G- und C-Dur sowie A-Moll usw. Diese werden übrigens offene Akkorde genannt, da du Saiten mitspielst, die du nicht greifst, also Leersaiten im Akkord hast.

 

Mal abgesehen davon, dass das Greifen von Gitarrenakkorden an sich schon ungewohnt ist, kommt dann noch hinzu, dass du zwischen diesen wechseln musst. Dabei nehmen die meisten ihre Finger komplett von den Saiten, um sie dann umständlich umzusortieren. Das verlangsamt den Wechsel natürlich. Es geht aber auch eleganter und einfacher, und zwar mit dem Ankerfingerprinzip. Bei vielen der Akkordwechsel kannst du einen Finger liegen lassen und als Fixpunkt nehmen, während du die anderen Finger umsortierst. Das spart dir etwas Arbeit und natürlich Zeit und kann eine gute Orientierung zum Zielakkord hin sein. Wie das genau funktioniert, erkläre ich dir in diesem Artikel und im dazugehörigen Video (siehe unten).

 

Wir fangen mit den Akkorden an, die ich meinen Schülern als erstes beibringe, und zwar E-, A- und D-Dur. Ich habe A-Dur mit dem Zeigefinger auf der D-Saite gelernt, aber es gibt auch eine andere Form dieses Akkords. Hier greifst du die g-Saite mit dem Zeigefinger, die D-Saite mit dem Mittel- und die b-Saite mit dem Ringfinger. Gerade für den Zeigefinger kann das anfangs gewöhnungsbedürftig sein, da die g-Saite nunmal dünner und etwas unangenehmer für die Fingerkuppe ist, aber für den Wechsel im Anschluss macht dieser Griff in jedem Fall Sinn. Wenn du nämlich jetzt zu E-Dur wechseln möchtest, bleibt der Finger auf der g-Saite und du verschiebst ihn lediglich in den ersten Bund. Mittel- und Ringfinger sortierst du auf die A- und D-Saite um und hast so deinen E-Dur-Griff.

Nahaufnahmen des Griffbretts einer Westerngitarre, die Greifhand greift im ersten Bild den A-Dur und im zweiten Bild den E-Dur-Akkord

Beim Wechsel zurück zu A verschiebst du natürlich den Zeigefinger in den zweiten Bund.

 

Auch für den Wechsel von A- zu D-Dur funktioniert dieses Prinzip. Der Zeigefinger bleibt also auf der g-Saite und du sortierst Mittel- und Ringfinger zum D-Griff. Hier haben viele Probleme mit dem großen Sprung des Mittelfingers von der D-Saite im A-Akkord zur hohen E-Saite im D-Akkord. Übe also schön langsam! Konzentriere dich gegebenenfalls nur auf den Wechsel des Mittelfingers, indem du den Zeigefinger weiter als Anker nutzt und auf der g-Saite liegen lässt, während du mit dem Mittelfinger zwischen D- und e-Saite hin- und herwechselst, den Ringfinger lässt du erstmal außen vor.

Nahaufnahmen des Griffbretts einer Westerngitarre, die Greifhand greift im ersten Bild den A-Dur und im zweiten Bild den D-Dur-Akkord

[Achtung]: Denke daran, dass du den Ankerfinger beim Wechsel zwischen den Akkorden immer etwas anhebst, sodass er die Saite nicht mehr runterdrückt und nur auf ihr aufliegt! Die Saite sollte beim Wechsel nicht weiterklingen oder schnarren.

 

Die Position deines Daumens ist übrigens auch entscheidend dafür, wie viel Kraft du beim Greifen aufwenden kannst. Er sollte hinten am Hals am höchsten Punkt der Wölbung aufliegen, auf Höhe des zweiten Bunds. So dient er dir als Stütze.

 

Auch beim Wechsel von G- zu D-Dur hast du einen Anker, und zwar den Ringfinger. Dieser bleibt auf der b-Saite liegen, während du die anderen Finger umsortierst. Achte darauf, dass du den Ringfinger beim Wechsel etwas anhebst, damit die Saite nicht weiterklingt. Das ist hier ein wenig knifflig, da dir die Unabhängigkeit in den Fingern noch fehlt, gleichzeitig ist dies aber auch eine gute Übung dafür. Habe also Geduld und übe, wie immer, langsam.

Nahaufnahmen des Griffbretts einer Westerngitarre, die Greifhand greift im ersten Bild den G-Dur und im zweiten Bild den D-Dur-Akkord

Der einfachste Wechsel ist der von A-Moll zu C-Dur, denn hier kannst du zwei Finger liegen lassen. Zeige- und Mittelfinger verbleiben auf der b- und D-Saite, während der Ringfinger für die Akkorde zwischen g- und A-Saite wechselt. Den C-Dur Akkord solltest du regelmäßig üben, um die Streckung zwischen Mittel- und Ringfinger zu verbessern. So wird er mit der Zeit immer sauberer klingen, da du mit dem Ringfinger näher an das Bundstäbchen im dritten Bund gelangst.

Die Akkorde A-Moll und C-Dur in der Nahaufnahme des Griffbretts.

Der schwierigste Wechsel ist der zwischen C- und F-Dur, daher solltest du erst dazu übergehen, wenn du die anderen Akkorde sicher beherrschst. F-Dur kannst du sowohl als Barréeakkord, als auch in verkürzter Variante greifen. Für den Anfang wird die verkürzte Variante für dich einfacher sein. Gehen wir also für den Wechsel davon aus und beginnen mit C-Dur. Wenn du nun zu F-Dur wechselst, legst du den Zeigefinger im ersten Bund hin, so, dass er über der b- und hohen e-Saite liegt und diese runterdrückt. Du greifst also einen Mini-Barrée. Dabei solltest du den Zeigefinger auf das Bundstäbchen legen und leicht zur Kopfplatte hin rollen, sodass die Seite des Fingers mit dem Knochen auf die Saite drückt. Achte beim Wechsel auch darauf, dass Ring- und Mittelfinger zuerst in Position sind und die g- und D-Saite auf's Griffbrett drücken, da diese zuerst angeschlagen werden. Das verschafft dir auch ein wenig Zeit für den Mini-Barrée. Wenn du jetzt von F zu C zurückwechselst, richtest du den Zeigefinger im ersten Bund wieder auf und sortierst die anderen Finger zum C auf die A- und D-Saite um. Der Zeigefinger sollte schön rund sein, von oben auf die Saite kommend, damit die e-Saite nicht abgedämpft wird.

Weitere Nahaufnahmen des Gitarrengriffbretts. Die Greifhand greift erst den C-Dur- und dann den F-Dur-Akkord.

Wenn du F-Dur als Barrée spielst, ist der Ringfinger dein Fixpunkt. Dieser bleibt auf der A-Saite im dritten Bund liegen, während du die anderen Finger entsprechend umsortierst. Du machst also mit dem Zeigefinger einen Barrée über alle sechs Saiten, greifst mit dem Mittelfinger die g-Saite und nimmst den kleinen Finger auf der D-Saite im dritten Bund hinzu.

Die Greifhand greift C-Dur und F-Dur als Barréeakkord.

Der letzte Wechsel für heute ist der zwischen F-Dur und D-Moll. Dein Anker ist hier der Mittelfinger auf der g-Saite. Wenn wir von der verkürzten Variante von F ausgehen, wechselt der Ringfinger also von der D- auf die b-Saite. Der Zeigefinger kann für D-Moll weiterhin einen Mini-Barrée im ersten Bund greifen oder aber du wechselst damit von der b- auf die hohe e-Saite im ersten Bund.

Nahaufnahmen der Greifhand und der Akkorde F-Dur und D-Moll.

Der Wechsel zwischen dem F-Barrée und D-Moll ist natürlich etwas größer, besonders für den Zeigefinger. Dein Fixpunkt bleibt aber der Mittelfinger auf der g-Saite.

Diese Nahaufnahmen zeigen den F-Dur-Barréeakkord und D-Moll.

Ich hoffe, dieser Artikel hat dir beim Erlernen deiner ersten Gitarrenakkorde und beim Wechsel geholfen. Natürlich solltest du Geduld haben und am besten täglich ein paar Minuten üben. Aber wenn du dranbleibst, wirst du bald Fortschritte sehen und die Wechsel immer schneller hinbekommen. Nehme dir am besten Songs vor, in denen die hier genannten Akkorde vorkommen und übe damit. Beispiele dafür sind

 

Happy Birthday (E, A und D)

Knocking On Heavens Door (G, D, Am, C)

Hallelujah (C, Am, G, F, E)

 

Im Video siehst du die Wechsel live (und in Farbe ;) ) und zusätzlich alle Akkorddiagramme:

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