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Warum du nicht ,,nur Solos" spielen solltest

So ziemlich jeder Gitarrist will Solos spielen. Wenn es dann um’s Thema Rhythmus geht, kommen meist folgende Aussagen:,,Solo spielen ist aber viel cooler“ oder ,,Ich habe eh kein Rhythmusgefühl“. Und ja, mit beeindruckenden Shreddingvideos bekommt man auf den sozialen Medien mehr Aufmerksamkeit. Aber was machst du, wenn dir jemand ein Leadsheet vorlegt und dich bittet, den Song spontan zu begleiten? Wenn du dann schwitzige Hände bekommst merkst du spätestens in diesem Moment, dass du mit Solos allein nicht weiterkommst. Kommt dir bekannt vor? Dann lies weiter, denn in diesem Artikel erkläre ich dir, warum du an deinen Rhythmusskills arbeiten solltest.

 

Solo spielen ist auch Rhythmus

Letztendlich ist Solo spielen doch auch Rhythmus. Die Töne immer in der gleichen Länge zu spielen wäre auch ziemlich langweilig, oder? Erst die Mischung aus verschiedenen Notenwerten und Tonlängen macht dein Solo interessant. Im Prinzip spielst du Phrasen, Wörter mit verschiedenen Silben…es ist also gar nicht so anders als beim Sprechen. Außerdem gehst du beim solieren ja auch auf die rhythmische Begleitung ein und solltest auf den Punkt in time spielen können. Nur dann klingt dein Solo wirklich gut.

 

Du musst auch mal begleiten können

Je nach Situation musst du auch mal begleiten können, z.B. wenn du nur mit einem Sänger zusammenspielst. Schließlich klingt ein Song nur bestehend aus Gesang und Gitarrensolo ziemlich dünn, da die Harmonie fehlt. Erst diese schafft Kontext für die Melodie, durch den Klang der einzelnen Töne über den Akkorden. Der Groove ist außerdem das Fundament eines jeden Songs. Und: übermäßiges Solodudeln würde in dem Moment auch stark mit der Gesangsmelodie konkurrieren. Stichwort: songdienlich spielen.

 

Rhythmusgitarre ist spannend

Rhythmusgitarre ist definitiv nicht so langweilig, wie du vielleicht denkst. Es gibt so viele verschiedene Stile wie Blues, Funk, Metal, Reggea und einige mehr, die alle ihre rhythmischen Eigenheiten haben. Diese zu entdecken und zu lernen ist sehr spannend und abwechslungsreich. Außerdem gibt es verschiedene Spieltechniken, die du dir als Rhythmusgitarrist aneignen kannst, wie z.B. percussive Fingerstyle, also mitunter Slapping mit dem Daumen, und Fingerstyle an sich.

 

Du erlangst durch Rhythmusarbeit ein besseres Verständnis für Akkordaufbau und Akkordfolgen,

…auf die du dich in deinen Soli beziehen kannst und solltest. Natürlich setzt das voraus, dass du nicht nur nachspielst, sondern dich auch mit der Theorie hinter den Akkorden befasst und verstehst, was du da tust. Auch Akkorde an sich sind ein spannendes Thema, weil es so viele Möglichkeiten gibt, einen Akkord zu spielen. Umkehrungen und verschiedene Akkorderweiterungen zu entdecken finde ich beispielsweise sehr interessant und auch dieses Verständnis hilft dir dabei, schlüssigere Soli zu spielen. Denn mit der Zeit lernst du, Töne bewusst zu wählen, eben im Bezug auf den zugrundeliegenden Akkord.

 

Melodie und Akkorde lassen sich verbinden

Wer sagt, dass du nicht begleiten und Melodie spielen kannst? Akkorde mit der Melodie zu verbinden ist eine schöne Sache und wenn du es gut machst, klingst du wie eine One-Man-Band. Ich denke, Tommy Emmanuel ist dir ein Begriff. Sein Spiel klingt aufgrund der Verbindung dieser zwei Aspekte sowie seiner genialen Technik so komplex und vollständig, dass er gar keine Mitmusiker braucht. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass du Tommys Level erreichen musst, damit du gut klingst (ist auch schwierig 😉 ), aber ich hoffe, dir ist klar was ich sagen will.

 

Du verstehst mehr Zusammenhänge

Wie schon gesagt, verstehst du durch das Wissen über Akkordtypen und Akkordaufbau mehr Zusammenhänge, spielst bewusster und damit schlüssiger. Schließlich greift alles ineinander und ein Song ist erst durch das Zusammenspiel all seiner einzelnen Komponenten gut. Außerdem bist du wesentlich vielseitiger und ein vollständigerer Gitarrist, wenn du Solo UND Rhythmus spielen kannst, am besten beides auf gleichem oder ähnlichem Niveau.

 

Der Rhythmus ist das Erste, worauf die Leute hören und reagieren

Um nochmal auf das Beispiel zurückzukommen, wenn du einen Sänger begleitest: die Zuhörer werden erst durch den Rhythmus mittanzen und sich bewegen, wenn ihr spielt. Wenn du im Hintergrund nur Solos rauf und runterspielst, werden die Leute wohl reichlich Fragezeichen über ihren Köpfen haben. In den meisten Fällen fallen einzelne falsche Töne den Zuhörern außerdem gar nicht auf, ein verstolperter Rhythmus aber schon. Daran siehst du, worauf die Leute als erstes hören.

 

Durch Rhythmusarbeit verbesserst du dein Timing

Wenn du gut Rhythmus spielen kannst und richtig übst, wirst du definitiv klickfest. Und ich muss dir hoffentlich nicht erklären, wie wichtig es ist, dass du gut mit Klick spielen kannst. Gerade, wenn du aufnimmst ist das die wichtigste Fähigkeit, die du haben kannst, auch, wenn du Leadgitarre spielst.

 

Du hast musikalisch und auch jobtechnisch mehr Möglichkeiten

Wenn du eine Karriere als Profimusiker anstrebst oder auch ,,nur“ in Bands spielen möchtest, wirst du gefragter sein, wenn du beides kannst. Tatsächlich aber vor allem, wenn du ein guter Rhythmusgitarrist bist. Gerade als Sessionmusiker werden die Leute am liebsten mit dir arbeiten, wenn du das komplette Paket bietest und spontan so viel wie möglich von dem umsetzen kannst, was sie sich vorstellen. Und dazu zählt eben auch ein treibendes Rhythmusgitarrenriff oder eine Begleitung, die die Leute zum tanzen bringt.

 

Zu guter Letzt: Leute, die ein geiles Solo nach dem nächsten shredden, gibt es unendlich viele

Damit ist es schwerer für dich, aufzufallen. Außerdem wird’s nach ‘ner Zeit irgendwie langweilig, oder nicht?

 

Beschäftige dich also auch mit Songbegleitung, Strumming, verschiedenen Rhythmustechniken…Je nachdem, welche Stilistik dich interessiert. Arbeite an deinem Rhythmusgefühl genau so intensiv wie an deinen Skalen und Soli und du wirst noch viel mehr Spaß am Gitarre spielen haben, als du es jetzt schon hast. Weil du dann mehr Möglichkeiten hast.

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