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Warum du einen Übungsplan brauchst

Gitarre üben nach Plan - Meine Tipps für die tägliche Routine

Wenn du auf Gitarre kontinuierlich besser werden möchtest, ist ein Übungsplan enorm wichtig. Statt irgendwas zu üben oder nur das zu spielen, was du gut kannst, kannst du dich auf das konzentrieren, an dem du noch arbeiten solltest. Außerdem finde ich es persönlich motivierender und leichter, mir die Gitarre mit einer konkreten Vorstellung davon zu schnappen, was ich darauf üben möchte. Letztens habe ich mit einem meiner Schüler über das Thema Übungsplan gesprochen und ihm hat es dabei geholfen, seine begrenzte Zeit sinnvoll für’s Üben zu nutzen und Fortschritte zu machen. Daher möchte ich auch dir heute meine Routine zeigen und hoffe, dass dich das zu einem eigenen Plan inspiriert.

 

Du solltest allem voran erstmal wissen, wie viel Zeit du zum üben hast bzw. wie viel du üben möchtest. Nehme dir täglich so viel Zeit, wie du aufbringen kannst und integriere diese in deinen Alltag. Feste Uhrzeiten sind für die Gewohnheit natürlich ideal, aber das kann bei jedem anders sein.

 

Dann solltest du dich fragen, an was du arbeiten musst: Was kannst du nicht so gut? Was möchtest du lernen? Was brauchst du, um einen bestimmten Song spielen zu können oder deine Ideen umzusetzen? Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Theorie. Wenn du ernsthaft Gitarre spielen und sogar Songs schreiben möchtest, ist es hilfreich, wenn du weißt, wie Akkorde aufgebaut sind und wie Skalen funktionieren. Um das zu lernen, musst du keine Bücher wälzen, sondern kannst die nötige Theorie durch lesen oder Videos lernen und dann alles auf der Gitarre umsetzen. Praxis ist wichtiger als bloße Theorie. Als ich mir meinen Übungsplan erstellt habe, wollte ich mich z.B. auf Arpeggios konzentrieren, um aus der Pentatonik auszubrechen. Ich wollte in der Lage sein, überall auf dem Griffbrett Akkorde bzw. Akkordtöne zu finden und mich nicht nur in einer Position zu bewegen. Außerdem mag ich Harmonisch Moll und wollte mich in dieser Tonart überall auf dem Griffbrett zurechtfinden können. Dazu war mir wichtig, auch an meiner Technik zu arbeiten: besonders an meiner Geschwindigkeit beim Alternate Picking, Sweeping und Legato, um dann mehr mit Tapping machen zu können. Ich habe mir das alles also erstmal aufgeschrieben.

 

Du solltest außerdem wissen, wo du hin möchtest. Natürlich gibt es beim Gitarrespielen kein endgültiges Ziel, weil du immer etwas dazulernen kannst, aber Etappenziele helfen dir, deinen Fortschritt zu überprüfen. Das können bestimmte Songs sein, die du spielen möchtest oder auch die Aufnahme eines eigenen Songs oder Albums. Ich will z.B. schon lange Six von All That Remains spielen können, daran arbeite ich gerade. Außerdem gab es zwischendurch immer mal andere Ziele wie die Aufnahme meiner Songs, auf die ich hingearbeitet habe. Ich habe mir überlegt, wann ich einen bestimmten Song aufnehmen möchte und wie lange ich dafür üben sollte und entsprechend früh genug angefangen, dies in meine Routine mit aufzunehmen. Entweder ich wusste vorher schon, wo meine Schwachstellen waren und habe die Songteile einzeln geübt bzw. mir zusätzliche Übungen dafür überlegt, oder ich habe beim Spielen gemerkt, was nicht gut klappt und dann daran gearbeitet. In jedem Fall solltest du dir genug Zeit nehmen und realistisch denken, wenn du eine Aufnahme planst. Setze dich also nicht unter Druck, einen Song zwei Wochen später aufnehmen zu wollen, wenn du ihn nicht absolut sicher beherrschst!

 

Mir war auch wichtig, regelmäßig Gehörbildung zu machen. Entweder erkenne ich mir vorgespielte Intervalle, Akkorde oder Skalen, mache Rhythmus- oder Melodiediktate oder transkribiere Songs. Beim Transkribieren notiere ich die Sachen auch direkt aus, da ich einfach mehr daraus lerne, Rhythmus- und Melodie selber nochmal aufzuschreiben und vor Augen zu haben, als sie nur nachzuspielen. Das ist eine sehr gute und wichtige Übung für dein musikalisches Gehör und hilft dir, das was du in deinem Kopf hörst sofort auf der Gitarre umsetzen zu können. Das gilt im Übrigen auch für's Nachsingen. Ich spiele also Intervalle, Akkorde oder kleine Melodien auf der Gitarre und singe diese nach oder singe etwas und spiele es dann. Es ist wichtig, dass auch du regelmäßig an solchen Dingen arbeitest. Je nachdem, ob du mit Gehörbildung schonmal was gemacht hast oder nicht, solltest du dir überlegen, wo du anfangen kannst.

 

Technik und Theorie allein zu üben ist mir auf Dauer zu eintönig, daher nehme ich in meinen Plan auch immer wieder Songs oder Riffs mit auf, die ich lernen möchte. Ich habe dazu eine Repertoireliste der Songs, die ich bereits kann und der Songs, die ich lernen möchte, die ich immer mal wieder überarbeite. Ich lerne also nicht nur neue Sachen dazu, sondern wiederhole auch altes Repertoire. Dafür habe ich eine Playlist auf meinem Handy, zu der ich mitspielen kann. Ein gewisses Repertoire zu haben und zu pflegen ist wichtig, gerade, wenn du spontan mit Leuten zusammenspielen möchtest. Oder eben auch einfach nur für dich, weil es schön und motivierend ist, einfach mal eben einen deiner Lieblingssongs zu spielen.

 

Dazu beschäftige ich mich gerne mit verschiedenen Stilen. Dafür suche ich mir Licks oder Riffs in der Stilistik, mit der ich mich gerade beschäftigen möchte, und arbeite daran. Ich denke, stilistische Vielseitigkeit ist wichtig, wenn du ein guter Gitarrist sein möchtest. Natürlich gibt es aber auch viele gute Gitarristen, die sich auf eine oder wenige Stile spezialisiert haben. Da musst du wissen, was für dich am besten ist.

 

Ich improvisiere außerdem regelmäßig über Backingtracks oder aufgenommene Loops, um das, was ich an Theorie gelernt habe, in einer Spielsituation umzusetzen. Dabei denke ich mir auch eigene Licks aus und schreibe sie direkt auf. Natürlich ist es wichtig, dass du auch einfach mal ,,rumdudelst“ und nicht drüber nachdenkst, was du spielst, dazu kommen wir aber gleich. Hier geht es vor allem darum, dass du bestimmte Themen aus der Theorie oder Licks und Konzepte übst und in dein Spiel integrierst. Nur so und durch regelmäßige Wiederholung können diese Dinge für dich so selbstverständlich und natürlich werden, dass du sie beim improvisieren einsetzt, ohne ständig darüber nachzudenken.

 

Für Spaß und für’s Herumexperimentieren nehme ich mir auch immer Zeit. Ich spiele also, was mir gerade in den Sinn kommt und probiere bestimmte Dinge aus wie z.B. verschiedene Gitarrenstimmen mithilfe meiner Loop Station übereinander aufzunehmen. Auch dabei lerne ich dazu, aber vor allem ist es motivierend und lockert die strikte Übungsroutine auf. Dabei versuche ich nicht an Technik oder Theorie zu denken, wobei ich manchmal auch theoretische Zusammenhänge entdecke, die ich spannend finde und erkunde. Außerdem nutze ich die Zeit auch gerne, um an neuen Ideen oder Songs zu arbeiten. Auch das ist sehr wichtig für deine Routine. Ich nehme mir die Zeit für solche Dinge meist am Ende der Übungssession, damit ich vorher konzentriert an anderen Dingen arbeiten kann. Ich neige beim Rumklimpern nämlich durchaus dazu, die Zeit zu vergessen 😉 . Wie das für dich am besten funktioniert, solltest du selbst herausfinden.

 

Mit diesen Stichpunkten habe ich also 7 Kategorien mit Unterkategorien wie bei Technik und Theorie:

 

1. Theorie (Arpeggios, Harmonisch Moll/Skalen)

2. Technik (Speed beim Alternate Picking, Sweep Picking, Legato -> Tapping)

3. Gehörbildung (Intervalle/Akkorde/Skalen hören, Rhythmus- & Melodiediktate, 

    transkribieren)

4. Repertoire

5. Stile

6. Improvisation

7. Fun Time

 

Tyler Larsen von Music Is Win hat mich mit einem seiner Videos auf die Idee gebracht, mir jeden Tag fünf von diesen Kategorien vorzunehmen. Dabei darf keine Kategorie mehr als einen Tag ausgelassen werden. So kann ich sicher sein, dass ich einen abwechslungsreichen Plan habe, aber dennoch oft genug an den Dingen arbeite, die ich regelmäßig üben sollte. Ich habe mir eine Worddatei mit Tabelle erstellt, in der ich die Kategorien eintrage. Dabei teile ich mir 1-2 Stunden Übungszeit am Tag in kleinere Abschnitte ein. Also nehme ich mir z.B. 10 Minuten Zeit für Legatoübungen, 20 Minuten für einen bestimmten Song, 15 Minuten für Theorie usw. 10 Minuten zum Warmspielen am Anfang sind auch immer dabei. Ich übe nie länger als eine Stunde am Stück um meine Gelenke nicht zu sehr zu belasten und mache zwischen den einzelnen Kategorien kurz Pause. Lange habe ich die Idee eines Timers für’s Üben abgelehnt, weil ich dachte, dass dies zu rigoros oder stressig sei. Aber ich habe gemerkt, dass genau das Gegenteil der Fall ist: ich kann mich besser auf die Übungen konzentrieren und bin entspannter, wenn ich nicht ständig auf die Uhr schaue um zu sehen, wie viel Zeit ich noch dafür habe. Ich habe mir daher einen kostenlosen Timer runtergeladen, in dem ich mir vershiedene Zeiten einstellen kann, starte ihn zu Beginn der Übung und lasse das Fenster im Hintergrund auf meinem Rechner offen, damit ich nicht draufschauen kann. Wenn die Zeit abgelaufen ist, höre ich einen Signalton. Vermutlich findest auch du das jetzt zu durchgeplant, aber probiere es mal aus! Es hilft wirklich dabei, dich zu fokussieren. Übrigens notiere ich mir zu Technikübungen auch immer, bis zu welchem Tempo ich mit Metronom gekommen bin und schreibe mir ggf. Anmerkungen dazu, damit ich für’s nächste Mal weiß, wo ich weitermachen kann. Die Übungspläne speichere ich dann immer ab. So kann ich auch meinen Fortschritt überprüfen.

 

Das ist also meine tägliche Routine. Vielleicht kannst du etwas für dich daraus mitnehmen. In jedem Fall wirst du durch zielgerichtetes Üben schneller Fortschritte machen als mit Planlosigkeit. Wie viel du übst, hängt natürlich von deiner Zeit und deinen Zielen ab, aber gerade wenn du technisch gut spielen können möchtest, solltest du dir schon eine Stunde täglich Zeit nehmen. Mehr geht natürlich immer, übertreibe es nur nicht und achte immer auf deine Gelenke und ausreichend Pausen! Teile dir deine Zeit also am besten in kleinere Abschnitte über den Tag verteilt ein, z.B. eine halbe Stunde morgens und eine halbe Stunde abends.

 

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