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Vierklänge auf der Gitarre

Ich habe dir ja bereits erklärt, wie Akkorde bzw Dreiklänge aufgebaut sind. Heute geht es um Vierklänge. Diese werden besonders häufig im Jazz verwendet, aber auch in Rock- und Popmusik tauchen sie hin und wieder auf. In Hotel California von den Eagles z.B. spielst du einen Bm7 und einen F#7-Akkord. Aber was bedeutet die 7 in der Akkordbezeichnung und was unterscheidet nun Vierklänge genau von Dreiklängen?

 

Vierklänge enthalten vier unterschiedliche Töne statt drei, klar. Genauer gesagt, bestehen sie aus dem Grundton, der Terz, Quinte und Septime. Zum zugrundeliegenden Dreiklang in Dur oder Moll kommt also die Septime des Grundtons hinzu. Ob große oder kleine Septime, hängt vom Akkordtyp ab. Insgesamt wird die Terzschichtung also fortgesetzt, um den Akkord zum Vierklang zu vervollständigen, da die kleine Septime eine kleine und die große Septime eine große Terz von der Quinte entfernt ist. Für diesen Artikel gehen wir von Vierklängen in C aus, da der zugrundeliegende Dreiklang in Dur keine # oder bs enthält, die dich irritieren könnten. Schauen wir uns erstmal den Aufbau eines Cmaj7-Akkords an:

Hier brauchst du zusätzlich zum Dur-Dreiklang die große Septime von C, also das B. Der Name ist im englischen etwas irreführend, da major eben auch für Dur steht. In diesem Fall bezeichnet das maj aber die große Septime. Und so greifst du den Cmaj7-Akkord auf der Gitarre:

Hier sind die Töne auf dem Griffbrett nicht in der eigentlichen Reihenfolge angeordnet und du spielst eine Umkehrung des Akkords. In den meisten Fällen ist es wesentlich einfacher, die Umkehrung statt der Grundform zu greifen. Auf Umkehrungen und wie sie funktionieren gehe ich aber noch in einem gesonderten Artikel ein. Im Moment ist es nur wichtig, dass du dich von der Anordnung der Töne nicht verwirren lässt.

 

Beim C7 oder C Dominantseptakkord wird eine kleine Septime hinzugefügt. Du brauchst also ein Bb statt das B. Hier erstmal der Aufbau des C7-Akkords:

Der Dominantseptakkord befindet sich immer auf der 5. Stufe einer Tonart, der Dominante. Der Grundton des Akkords ist die Quinte der Tonart, in der du dich bewegst, also der 5. Ton. ,,Dominant“ deshalb, weil der Akkord im Vergleich zu den anderen Stufenakkorden klanglich am stärksten nach Auflösung verlangt. Wenn du ihn hörst, erwartest du also automatisch, dass der Grundakkord bzw die Tonika im Anschluss gespielt wird. In diesem Beispiel ist C7 die 5. Stufe von F, du kannst den Dominantseptakkord also schlüssig mit einem Fmaj7-Akkord auflösen. Der spannungsreiche Klang kommt zum einen daher, dass die große Terz des C7-Akkords, E, nur einen Halbton vom Grundton F entfernt ist und somit als Leitton fungiert (zum Thema Leittöne habe ich im fünften Teil meiner Harmonisch Moll-Workshopreihe bereits etwas geschrieben). Außerdem klingt das Intervall zwischen kleiner Septime und großer Terz sehr ,,unbequem“ und unharmonisch. Hier handelt es sich um den Tritonus, der zwischen Quarte und Quinte liegt und nur eine Sekunde von der großen Terz entfernt ist. Unharmonisch klingt das Intervall also daher, dass der gewohnte Klang des Akkords (= Harmonie = mehrere, gleichzeitig erklingende Töne) bzw. der Terzschichtung verändert wird. Und der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier 😉 . Blues ist hier übrigens eine Sache für sich, da alle Akkorde als Dominantseptakkorde gespielt werden, aber Blues ist gemeinhin auch eher ,,dreckig“ 😉 .

 

Und so spielst du den C7-Akkord auf der Gitarre:

Für den Cm7-Akkord bleibt die kleine Septime bestehen, aber du musst natürlich die große Terz zu einer kleinen verändern, um den Molldreiklang zu erhalten. Hier erstmal der Aufbau des Cm7-Akkords:

Statt dem E wie in Cmaj7 und C7 greifst du also des Eb. Und so sieht der Akkord auf dem Griffbrett aus:

Der nächste Vierklang ist der Cm7b5-Akkord. Es geht also schon los mit den jazztypischen, seitenlangen Akkordbezeichnungen 😉 . Namentlich gehst du also erstmal vom Cm7-Akkord aus, verringerst aber die Quinte um einen Halbton nach unten zur verminderten Quinte:

Hier hast du also wieder einen Tritonus, nur dieses Mal zwischen Grundton und der b5. In Dur befindet sich der m7b5 oder halbverminderte Akkord auf der siebten Tonleiterstufe. Diese klingt aufgrund des Halbtonabstands zur Tonika bzw deren Oktave sehr spannungsreich, daher kannst du den halbverminderten Akkord auch durchaus statt der Dominante auf der fünften Stufe verwenden. Auf der Gitarre spielst du den Akkord folgendermaßen:

Damit hast du alle grundlegenden Vierklänge im Jazz gelernt. Diese sind die Basis für die in diesem Stil wichtigste Akkordfolge, der II-V-I-Verbindung. Du findest sie in jedem Jazzstandard wieder, entweder in Dur oder in Moll. Die römischen Zahlen stehen für die Tonleiterstufen. In C-Dur wäre die Akkordfolge also Dm7 (II. Tonleiterstufe) – G7 (V) – Cmaj7 (I). In A Moll spielst du die Akkorde Bm7b5 – E7 – Am7 nacheinander. In der Moll-II-V-I-Verbindung wird auf der fünften Stufe ein Dominantsept- statt eines Mollakkords gespielt, der eigentlich den ,,Regeln“ entsprechend die fünfte Stufe wäre. Der Mollakkord klingt als Dominante aber nunmal nicht sehr spannungsreich, da die Terz einen Ganzton vom Grundton entfernt ist und nicht so sehr nach Auflösung verlangt wie der Leitton. Daher wird der eigentliche Aufbau der Tonleiter hier gebrochen.

 

Diese Vierklänge kannst du natürlich auch erweitern. Ich stelle dir hier die gängigsten (und unkompliziertesten 😉 ) Erweiterungen vor.

 

Cmaj9 und C9

Für diese Akkordtypen spielst du zusätzlich das D, also die Sekunde vom Grundton C eine Oktave höher (9 = None). Hier lässt du bei beiden Akkordtypen die Quinte weg, während Terz und Septime erhalten bleiben. Die Quinte ist der für den Akkord unwichtigste Ton, da sie in Dur und Moll gleich bleibt. Für die Unterscheidung der Akkordtypen sind also nur die Terz und die Septime nötig. Und wie sehen diese Akkorde nun auf der Gitarre aus?

Der Cmaj9 ist grundlegend also ein Cmaj7-Akkord mit hinzugefügter 9, entsprechend kannst du ihn statt eines Cmaj7 spielen. Der C9 Akkord kann C7 ersetzen.

 

C7b13 und C13

Beim C7b13-Akkord fügst du C7 eine kleine Sexte hinzu und oktavierst sie, daher b13. C13 erweiterst du um eine oktavierte große Sexte:

Cm11

Hier fügst du dem Cm7-Akkord die oktavierte Quarte (11) hinzu:

Nun weißt du, wie Drei- und Vierklänge aufgebaut sind. Ich denke, dieses Wissen ist auch für die Improvisation enorm wichtig, da dir die Akkorde bewusst sein sollten, über die du solierst. Nur so kannst du deren Töne hervorheben, von Akkord zu Akkord leiten und zusätzliche Töne hinzufügen. Damit sagst du in deinem Spiel mehr aus, als wenn du nur Skalen und besonders die Pentatonik hoch- und runterspielst. In Zukunft wird es hier Artikel zu Akkordumkehrungen und auch zu Arpeggios auf der Gitarre geben. Sei also gespannt 😉 .

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