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Lerne solieren in Harmonisch Moll

Willkommen zum zweiten Teil meiner Harmonisch Moll-Workshopreihe! Letztes Mal haben wir uns mit den Stufenakkorden dieser Skala beschäftigt. Wenn du den ersten Teil verpasst haben solltest, kannst du ihn hier noch einmal nachlesen. Heute schauen wir uns das erste Pattern der Skala an und gehen näher auf den Aufbau ein.

 

Harmonisch Moll basiert, wie der Name schon sagt, auf der reinen Molltonleiter, die du bereits kennst. Tonleitern sind bekanntlich nach einer bestimmten Struktur aus Halb- und Ganztönen aufgebaut. Schauen wir uns mal an, wie das für die reine Molltonleiter in A aussieht:

Die Halbtöne (HT) liegen hier zwischen dem 2. Und 3, also zwischen der Sekunde B und der kleinen Terz C, und dem 5. Und 6. Ton, also zwischen der Quinte E und der kleinen Sexte F. Sieh dir im Vergleich dazu die Harmonisch Moll-Skala in A an:

Harmonisch Moll enthält also drei Halbtöne, und zwar zwischen der Sekunde und der kleinen Terz, der Quinte und der kleinen Sexte und zwischen der großen Septime und der Oktave des Grundtons. Die in der reinen Molltonleiter enthaltene kleine Septime, in A Moll das G, wird zur großen Septime G# erhöht, dadurch entsteht eine kleine Terz zwischen Sexte und Septime und, wie gesagt, ein dritter Halbton zwischen Septime und Oktave. Sowohl die kleine Terz, als auch die drei Halbtöne, sorgen für den charakteristischen, orientalischen Klang, der diese Skala auszeichnet.

 

 A Moll und A Harmonisch Moll unterscheiden sich also letztendlich nur durch die Septime. Wenn du die Intervalle bereits gut kennst und auch weißt, wie Akkorde aufgebaut sind, wird dir jetzt vermutlich auch klar, warum auf der 5. Stufe der harmonisch Mollskala ein Durakkord statt einem Mollakkord wie in der reinen Molltonleiter steht. Wie wir letztes Mal bei den Akkorden gesehen haben, ist der E Dur-Akkord die 5. Stufe von A harmonisch Moll, denn das G# ist die große Terz vom Ton E. Und da gleichzeitig das G# als große Septime der Skala nur einen Halbton vom Grundton A entfernt ist, verlangt E Dur so stark nach einer Auflösung in den A Moll-Akkord.

 

 Ich zeige dir nun das erste Pattern in A Harmonisch Moll. Spiele es zunächst in einem langsamen Tempo (ca. 60 bpm oder darunter) und steigere es erst, wenn du das Pattern sauber und korrekt spielen kannst:

Nun spielst du das Pattern in Terzen, um es auch mal musikalischer anzuwenden als es einfach nur rauf und runterzuspielen. Achte auf den ,,Abroller“ des Mittelfingers im 5. Bund von der g- auf die b-Saite und übe diesen ggf. separat, wenn du damit Probleme hast. Im unten stehenden Video zum Workshop kannst du in Nahaufnahme sehen, wie er gespielt wird. Wieder gilt: erst langsam üben, dann nach und nach das Tempo steigern!

Ich möchte dir nun ein paar Licks in dem Pattern zeigen, um dir ein paar Ideen an die Hand zu geben, wie du damit solieren kannst. Du kannst diese Licks in dein Spiel integrieren und variieren, denke dir aber auf jeden Fall auch eigene Licks aus!

 

Lick 1 ist ein melodisches Lick mit kleinen Slideakzenten. Du slidest immer von der Vorschlagsnote, also die klein gedruckten Noten in den Tabs, in den darauf folgenden Ton. Achte auf das Timing und spiele es von Anfang an mit Metronom. Achte außerdem darauf, dass du die die 16tel vor den Pausen wirklich nur kurz klingen lässt und dann den Griff lockerst, um sie zu betonen und Rhythmus in dieses Lick zu bringen. Auch die Staccato gespielte Achtelnote im zweiten Takt (das C im 8. Bund auf der hohen E-Saite mit dem Punkt und dem Pfeil über dem Notenkopf) soll möglichst kurz klingen:

Lick 2 kann als Übergang oder Verbindung zweier Licks dienen. Achte darauf, dass du in die große Septime im 6. Bund auf der D-Saite slidest, um etwas Artikulation mit einzubringen:

Lick 3 ist ein Legato-Lick, das natürlich mit viel Gain besonders gut kommt 😉. Spiele es aber anfangs erstmal clean, denn die Verzerrung verschleiert eine unsaubere Technik. Du schlägst die hohe E-Saite immer nur ein Mal an, nämlich mit einem Abschlag beim ersten Ton des jeweiligen Taktes. Dann machst du einen Pull Off mit dem kleinen Finger, anschließend mit dem Zeigefinger und schließlich einen Hammer On mit dem kleinen Finger. Am Ende des Taktes machst du einen Hammer On mit dem Zeigefinger. Übe das Lick zunächst langsam (auf ca. 60 bpm oder weniger) und steigere das Tempo erst, wenn du es sauber und gleichmäßig im Timing hinbekommst! Bei Legatoübungen muss man gerade anfangs üben, alle Töne gleich lang klingen zu lassen. Wenn du beim Hammer On/Pull Off mit dem kleinen Finger Probleme hast, kannst du auch den Ringfinger nehmen, musst dich aber dann natürlich etwas strecken. Es ist trotzdem sinnvoll, auch mit dem kleinen Finger zu üben, da dies eine gute Kräftigungsübung ist. Eventuell ist anfangs auch der Hammer On mit dem Zeigefinger von der leeren E-Saite in den 5. Bund bzw. 4. Bund schwierig für dich, gerade in Verbindung mit dem Slide am Ende. Übe daher erstmal nur den ersten Takt des Licks und achte darauf, dass die Töne alle gleich laut und sauber klingen. Gewöhne dir direkt an, alle Saiten außer der hohen E-Saite durch auflegen des Handballens der Schlaghand abzudämpfen, damit diese nicht mitschwingen. Gerade mit viel Gain führt dies sonst zu unangenehmen Nebengeräuschen.

 

[Wichtiger Hinweis]: Legatoübungen können sehr anstrengend für die Muskulatur sein, gerade, wenn du da nicht so trainiert bist. Spiele das Lick also nicht zu lange am Stück und lege immer wieder kurze Pausen ein. Wärme dich außerdem vorher ein paar Minuten auf. Wenn du Schmerzen hast, höre sofort auf zu spielen!

 

Genug geredet bzw. geschrieben, hier ist das Lick:

Im Video spiele ich dir alle hier gezeigten Pattern und Licks vor:

Nun hast du hoffentlich bereits genug über die Harmonisch Moll-Skala gelernt, um damit ein wenig improvisieren zu können. Nehme dir einfach ein paar Akkordfolgen auf oder suche dir einen Backingtrack und spiele dazu, um Übung und ein Gespür für die richtigen Töne über die jeweiligen Akkorde zu entwickeln. Wenn du improvisierst ist es auf jeden Fall sinnvoll, dich auch mal aufzunehmen und hinterher zu analysieren. So weißt du, was du bereits gut beherrschst und wo du dich verbessern kannst.

 

Nächstes Mal gibt es dann das zweite Pattern der Skala, damit du lernst, dich auf dem Griffbrett in Harmonisch Moll weiter fortzubewegen.

 

Bis dahin: keep grooving!

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