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Die Basis für sauberes Greifen & mehr Speed

Viele wollen schnell spielen können. Es ist ja auch beeindruckend, wie die ganz Großen mit den Fingern über’s Griffbrett flitzen. Wenn du so schnell spielen lernen willst, brauchst du natürlich Geduld und eine gute Technik. Die Grundlage für alles ist aber, dass du dich möglichst ökonomisch bewegst, also der Weg deiner Finger zu den Saiten und damit auf die Bünde möglichst kurz ist. Natürlich spielt auch eine Rolle, wo du greifst, um möglichst wenig Kraft aufwenden zu müssen, aber dazu an anderer Stelle mehr.

 

Der Abstand deiner Finger zu den Saiten ist natürlich auch beim Akkordwechsel wichtig. Ich sehe oft, gerade bei Anfängern, wie Gitarristen beim Akkorde greifen mit dem Zeigefinger auf mich zeigen oder vornehm den kleinen Finger abspreizen. Natürlich ist es nicht immer so extrem, aber häufig haben die Finger einfach einen viel zu großen Abstand zu den Saiten, um schnell (um)greifen zu können. Und hier kommt die Übung ins Spiel, die ich dir heute zeigen möchte.

 

Die Minimal Movement Exercise wird dir dabei helfen, dass die Finger deiner Greifhand künftig dicht über den Saiten in der richtigen Position schweben bleiben. Natürlich musst du Geduld haben und diese Übung ab jetzt regelmäßig machen, am besten jeden Tag etwa 5 Minuten oder zumindest alle zwei Tage. Du wirst nach mehreren Wochen merken, wie viel schneller und auch sauberer du greifst, denn bei dieser Übung musst du die Finger so rund wie möglich halten, um benachbarte Saiten nicht abzudämpfen. Außerdem trainierst du so auch die Unabhängigkeit deiner Finger, es gibt also viele Vorteile.

 

Die Übung basiert auf der klassischen Spinne (du greifst im 1. bis 4. Bund nach und nach mit Zeige-, Mittel, Ring- und kleinem Finger, beginnend bei der E-Saite über alle Saiten). Beginne die Minimal Movement Exercise auf der tiefen E-Saite im 5. Bund. Wenn du ein paar Bünde höher - also in Richtung des 12. Bundes - besser zurechtkommst, ist es auch okay, woanders anzufangen. Spiele die Übung schön langsam und mit Wechselschlag, also abwechselnd Ab- und Aufschlag mit dem Plektrum. Greife nun mit dem Zeigefinger und lasse ihn liegen und die Saite runterdrücken, während du mit dem Mittelfinger im 6. Bund greifst. Wieder liegen lassen und dann mit dem Ringfinger in den 7. Bund und das gleiche Spiel mit dem kleinen Finger im 8. Bund. Kurz nachdem du den Ton im 8. Bund angeschlagen hast,  hebst du den Zeigefinger an, lässt die anderen Finger aber alle weiter liegen und die E-Saite runterdrücken, der Ton im 8. Bund soll weiterklingen. Der Zeigefinger wechselt nun auf die A-Saite und greift dort im 5. Bund. Nach und nach wechselst du mit den anderen Fingern auf die A-Saite in den 6., 7. Und 8. Bund und lässt die Finger auf der E-Saite so lange liegen und drücken, bis sie an der Reihe sind. Die Finger auf der A-Saite drücken diese natürlich ebenso konstant runter. So gehst du über alle 6 Saiten.

 

In die andere Richtung funktioniert die Übung natürlich auch. Du beginnst auf der hohen E-Saite, wieder mit dem Zeigefinger im 5. Bund, und greifst dann nach und nach mit den anderen Fingern. Wieder schön liegen lassen und die Saite runterdrücken. Nun wechselst du mit dem Zeigefinger auf die B-Saite. Hier musst du natürlich aufpassen, dass du beim Saitenwechsel mit den Fingern auf der B-Saite die E-Saite nicht abdämpfst, also achte für die gesamte Übung auf eine schöne, runde Handhaltung, mit den Fingerspitzen von oben auf die Saiten kommend. Wiederhole den Wechsel wieder mit allen Fingern und gehe so über alle Saiten bis zum tiefen E.

 

Wenn du diese Übung gut beherrschst und du dich dadurch nicht weiter verbesserst, kannst du dem Ganzen noch einen draufsetzen und immer eine Saite beim Wechsel überspringen. Das ist gleichzeitig auch eine gute Dehnübung. Diese Technik wird übrigens string skipping genannt. Du beginnst also, wie gehabt, auf der tiefen E-Saite im 5. Bund und greifst nach und nach mit allen Fingern, wechselst dann aber auf die D-Saite. Wenn du dort mit dem Greifen beim kleinen Finger angekommen bist, gehst du zurück zur A-Saite, von dort erfolgt der Wechsel dann auf die G-Saite usw. Zurück beginnst du wieder mit dem Zeigefinger im 5. Bund der hohen E-Saite, wechselst dann zur G-Saite, wenn du beim kleinen Finger angekommen bist, gehst du dann zur B-Saite usw.

 

Hier kannst du dir anschauen, wie die Übung gespielt wird:

Natürlich gilt auch hier, dass du es nicht übertreiben solltest, da die Übung dir gerade am Anfang viel Kraft abverlangt und deine Finger ordentlich gedehnt werden. Also spiele sie wirklich nur ein paar Minuten und mache zwischen jeder Wiederholung eine kurze Pause, um die Greifhand zu entspannen!

 

Ob du Anfänger bist oder Fortgeschrittener, die Übung ist in jedem Fall sinnvoll. Die vielen Vorteile, die sie mit sich bringt, werden deine Technik garantiert verbessern und dein Gitarrenspiel weiterbringen. Natürlich funktioniert die Minimal Movement Exercise nicht nur auf der E-Gitarre, sondern auch auf der Akustikgitarre. Probier es aus!

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