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Quer über's Griffbrett mit diagonalen Arpeggios

Wenn du akkordbezogen improvisieren möchtest, brauchst du Arpeggios. Wie bei der Pentatonik und anderen Skalen auch, lernst du hier am Anfang meist Pattern in einer Lage, also im Prinzip ,,Arpeggioboxen“. Das ist natürlich sinnvoll, um erstmal mit dem arpeggioeigenen eine-Note-pro-Saite-Prinzip vertraut zu werden. Um aber wirklich sicher Akkordtöne beim improvisieren anzusteuern und Akkordwechsel ausspielen zu können, solltest du die richtigen Töne überall auf dem Griffbrett finden können. In diesem Artikel zeige ich dir eine Möglichkeit, dich in verschiedenen Lagen zurechtzufinden – nämlich mit diagonalen Arpeggios. Wenn du mit Arpeggios noch gar nicht vertraut bist, solltest du erst über mein Video über Pattern auf vier Saiten in die Thematik einsteigen, bevor du hier weitermachst.

 

Diagonale Arpeggios sollen dir helfen, Akkordtöne auf dem Griffbrett zu sehen. Es geht weniger um die Pattern, also die Fingersätze, an sich, auch wenn sie dir am Anfang bei der Orientierung helfen sollen. Dementsprechend geht es hier auch nicht darum, die Pattern auf Speed zu üben. Du solltest sie eher als Griffbrettkarten betrachten und mit der Zeit lernen, wo welcher Akkordton liegt. Daher solltest du dir auch beim Lernen dieser Pattern immer bewusst machen, welchen Akkordton du gerade greifst.

 

Fangen wir einfach mal mit dem ersten Pattern an. Wir bewegen uns innerhalb des A-Akkords, du beginnst also mit dem Zeigefinger auf der tiefen E-Saite im 5. Bund beim Grundton und spielst dann die große Terz C# im 9. Bund. Danach geht’s zur Quinte E auf der A-Saite im 7. Bund. Jetzt kommt ein größerer Sprung zum Grundton auf der A-Saite im 12. Bund, diesen solltest du mit dem kleinen Finger greifen. Danach geht’s nämlich zur Terz im 11. Bund auf der D-Saite und anschließend zur Quinte auf der g-Saite im 9. Bund. Da ist der Fingersatz beginnend mit dem kleinen Finger schon eleganter. Du schließt das Arpeggio ab, indem du den Grundton noch einmal auf der b-Saite im 10. und die Terz im 9. Bund auf der hohen e-Saite spielst, bevor du bei der Quinte im 12. Bund auf der hohen e-Saite ankommst:

Diagonale Arpeggios auf der Gitarre - Pattern 1

Du siehst also, dass du dich über insgesamt sieben Bünde bewegst und so einen großen Bereich des Griffbretts abdeckst. Dadurch hast du für jeden Akkordton drei Oktaven, was dir beim Improvisieren natürlich mehr Möglichkeiten bietet zu variieren.

 

Für den A-Moll Akkord verschiebst du die Terzen einen Bund tiefer. Du findest sie also auf der tiefen E-Saite im 8,, auf der D-Saite im 10. Und auf der hohen e-Saite ebenfalls im 8. Bund:

Diagonale Arpeggios auf der Gitarre - Pattern 1 in Moll

Für das verminderte Arpeggio verringerst du zusätzlich die Quinte um einen Halbton und greifst die A-Saite im 6., die g-Saite im 8. Und die hohe e-Saite im 11. Bund:

Diagonale Arpeggios auf der Gitarre - Pattern 1 vermindert

Nun beginnen wir für das zweite Pattern auf der tiefen E-Saite mit dem Mittelfinger. Dieses Mal greifst du die Terz auf der A-Saite, und zwar im 4. Bund. Die Quinte im 7. Bund bleibt gleich, du spielst diese aber wie die Terz mit dem Zeigefinger. Jetzt kommt nämlich ein Abroller in den 7. Bund auf die D-Saite zum Grundton. Es folgt die Terz im 11. Bund, dann wie beim ersten Pattern auch die Quinte auf der g-Saite, Grundton auf der b- und zum Abschluss die Terz auf der hohen e-Saite im 9. Bund:

Diagonale Arpeggios auf der Gitarre - Pattern 2

Im Folgenden die Tabs für A Moll und vermindert. Nachdem ich dir aber oben erklärt habe, wie das Prinzip mit Moll und verminderten Akkorden funktioniert, solltest du versuchen, dir deren Arpeggios für das zweite Pattern selber herzuleiten. Probiere es am besten mal aus, ohne vorher in die Tabs zu schauen. Denk dran: wenn du schummelst, betrügst du dich nur selbst 😉 .

Pattern 2 in Moll
Pattern 2 vermindert

Das letzte Pattern beginnst du dann mit dem kleinen Finger. Du startest also wieder im 5. Bund auf der E-Saite beim Grundton, dann die Terz wie gehabt auf der A-Saite im 4. und die Quinte auf der D-Saite im 2. Bund. Nun kommt wieder ein etwas größerer Sprung zum Grundton in den 7. Bund der D-Saite mit dem kleinen Finger. Von hier an spielst du das Arpeggio wie den A-Dur-Barréeakkord, es folgt also die g-Saite im 6. für die Terz, die Quinte auf der b-Saite im 5. und der Grundton auf der hohen e-Saite ebenfalls im 5. Bund:

Diagonale Arpeggios auf der Gitarre - Pattern 3

Unten wieder die Tabs für Moll und vermindert. Denke daran, die Tonnamen beim Spielen anfangs laut auszusprechen, also wie jetzt für den A Dur-Akkord „A“, ,„C#“ und „E“ . Auch die Funktionen, also ob Grundton, Terz oder Quinte, sollten dir bewusst sein.

Pattern 3 in Moll
Pattern 3 vermindert

Diese Pattern kannst du prima auch zum Aufwärmen nutzen und somit in dein Übungsprogramm integrieren. So lernst du sie auch schneller. Denke auch daran, sie von anderen Grundtönen aus zu spielen. Du kannst erst Bund für Bund über’s Griffbrett wandern und sobald du dir mit den Fingersätzen sicher bist auch mal nach dem Zufallsprinzip Grundtöne auswählen und die Pattern durchspielen.

 

Ich hoffe, dass diese Pattern dir helfen, dich auf dem Griffbrett besser zurechtzufinden. Du solltest vermeiden, dich beim Improvisieren zu sehr an diese Fingersätze zu klammern. Es ist okay, wenn du sie vor deinem inneren Auge siehst, beim Spielen solltest du sie aber in kleinere Abschnitte unterteilen und die Lagen miteinander verbinden.

 

Zum Abschluss hier auch das Video zum Artikel:

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