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Der Bossa Nova-Rhythmus auf der Gitarre

Heute startet meine neue Workshopreihe Stilfrage. Jeden Monat gibt’s neue Riffs, Licks und Rhythmen verschiedener Stilistiken, durch die du dein Repertoire erweitern kannst. Den Anfang macht der Bossa Nova-Rhythmus.

 

Bossa Nova ist ein lateinamerikanischer Stil aus Brasilien, den man häufig in Jazzstandards wiederfindet. Der Begriff bedeutet übersetzt ,,neue Welle“ und bekannt wurde der Stil vor allem dadurch, dass brasilianische Exilanten ihre musikalischen Einflüsse mit in die USA brachten und diese ihren Weg in den Jazz und Black Music fanden.

 

In diesem Artikel lernst du den Grundrhythmus des Bossa Nova sowie die umgekehrte Form davon. Dazu gibt es jeweils Variationen, damit du abwechslungsreicher begleiten kannst. Ich empfehle dir, die Beispiele fingerstyle zu spielen, da der Wechsel zwischen Bass- und Akkordtönen so leichter und eleganter umzusetzen ist. Wenn du mit Fingerstyle gar nicht zurechtkommst, kannst du natürlich auch mit Plektrum spielen. Probiere am besten beides aus.

 

Basis Pattern

 

Der Bossa Nova-Grundrhythmus

Der grundlegende Bossa Nova-Rhythmus beginnt mit zwei Vierteln jeweils auf der ersten und der zweiten Zählzeit. Danach folgt eine Achtel auf der 3 und eine punktierte Viertelnote (Synkope) auf der 3 und. Versuche den Rhythmus erstmal zu klatschen, um ihn zu verinnerlichen. Mit der Koordination deiner Hände und den ganzen anderen Faktoren beim Gitarrespielen kannst du dich sonst nicht darauf konzentrieren.

 

Um diesen Rhythmus spielerisch umzusetzen, nehmen wir als Akkordfolge Gmaj7, D9 und Am7. Diese geht über vier Takte und du spielst einen Takt Gmaj7, einen Takt D9 und zwei Takte Am7:

Akkorddiagramme Gmaj7, D9 und A Moll 7

Du schlägst den Basston auf der 1 und der 3 an, Gleichzeitig auf der 1 spielst du auch die anderen Akkordtöne, sodass du den kompletten Akkord anschlägst, auf der zwei dann die Akkordtöne ohne den Bass, ebenso auf der 3 und (3 +). Achte auf die Zählzeiten und spiele den Rhythmus erstmal nur auf einem Akkord mit Metronom. Dann überträgst du ihn auf die gesamte Akkordfolge. Es klingt in jedem Fall rhythmischer, wenn du die Akkordtöne auf der 1 nicht den kompletten Taktschlag durchklingen lässt, sondern durch Berührung der Finger deiner Schlaghand der Saiten abstoppst, also Staccato spielst. Gleichzeitig kannst du für eine sauberere Dämpfung auch die Greifhand leicht anheben. Aber darauf solltest du dich erst konzentrieren, wenn du den Rhythmus sauber mit Metronom spielen kannst!

 

Nun kann man diesen Rhythmus variieren, indem man die Akkordtöne der ersten Zählzeit des zweiten Taktes um eine Achtelnote vorzieht, also auf die 4 + des ersten Taktes:

Variation des Bossa Nova-Grundrhythmus mit vorgezogener Achtelnote

Du spielst also auf der 1 im zweiten Takt nicht den kompletten Akkord, sondern nur den Basston. In der Rhythmusnotation ist die Achtelnote durch einen Haltebogen mit der Viertelnote auf der 1 des zweiten Taktes verbunden, das bezieht sich aber nur auf die Akkordtöne. Leider ist das so etwas irritierend, aber ich habe keine Lösung gefunden, zwei Rythmusslashes übereinander einzufügen.

Durch die vorgezogene Achtel erfolgt natürlich auch der Akkordwechsel schon auf der 4 +, behalte das im Hinterkopf.

 

Wenn du diese Variation beherrschst, kannst du dem Ganzen noch einen draufsetzen und unterschiedliche Basstöne spielen. Du spielst immer erst den Grundton und dann die Quinte, für G hättest du dann also das G auf der 1 und das D im fünften Bund auf der A-Saite auf der 3. Bei D9 spielst du den Grundton mit dem Ton A im Wechsel, dafür kannst du den Mittelfinger von der A-Saite nehmen und diese leer anschlagen oder auf die tiefe E-Saite in den fünften Bund wechseln. Für Am7 brauchst du das E als Quinte, das spielst du am besten auf der leeren 6. Saite.

 

Reverse Bossa – der umgedrehte Bossa Nova

Der umgedrehte Bossa Nova-Rhythmus

Nun kannst du diesen Rhythmus auch umdrehen. Du vertauschst im Prinzip die erste Hälfte des Taktes mit der zweiten, hast also die Achtelnote auf der 1, die Synkope auf der 1 + und die Viertel auf 3 und 4. Klatsche den Rhythmus am besten wieder erstmal, bevor du ihn auf der Gitarre spielst.

 

In der Variation des umgedrehten Bossa-Rhythmus ziehst du die Akkordtöne um eine Achtelnote von der 3 auf die 2 + vor. Lasse dich auch hier nicht vom Haltebogen irritieren und spiele auf der 3 den Basston:

Der umgedrehte Bossa Nova-Rhythmus mit vorgezogener Achtelnote

Diese Variation funktioniert ebenfalls mit Wechselbass. Das Prinzip bleibt das gleiche wie beim Grundrhythmus, du hast also Quinten im Bass.

 

Ich habe dir alle Beispiele in Tabulatur ausnotiert. Du kannst sie dir hier kostenlos herunterladen: Bossa Nova

 

Im Video kannst du dir die Beispiele außerdem anhören. Dazu habe ich in der Videobeschreibung auf Youtube einen Backingtrack auf meinem Kanal verlinkt, mit dem das Üben noch mehr Spaß macht 😊 :

Nun hast du den Bossa Nova kennengelernt. Ich persönlich mag den Stil sehr und denke, er kann dein Repertoire bei der Songbegleitung bereichern. Dabei musst du kein Jazzer sein, das bin ich ja auch nicht 😉 .

 

Nächsten Monat geht es weiter mit der Stilfrage und einem anderen Thema. Bis dahin – keep grooving!

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