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Auf den Spuren von Malmsteen & Co.

Heute starten wir mit dem ersten Teil des Harmonisch Moll-Workshops. Wenn du Liebhaber von gitarrenlastiger Musik der härteren Gangart bist, wirst du sicher schon Lieder gehört haben, in denen diese Skala verwendet wird. Gerade Yngwie Malmsteen verwendet Harmonisch Moll sehr prominent, aber z.B. auch die Jungs von Trivium greifen gerne darauf zurück. Kein Wunder, denn diese Skala kann schön bedrohlich klingen, wenn man sie richtig einzusetzen weiß. Außerdem hat sie einen orientalischen, fast schon mystischen Klang. Wodurch dieser Klang genau entsteht, klären wir nächstes Mal.

 

Nun beginnen wir zunächst mit dem harmonischen Aspekt von Harmonisch Moll, also den einzelnen Stufenakkorden. So lernst du die Klangcharakteristik erstmal kennen. Außerdem denke ich, dass es hilfreich ist, zuerst die Akkorde im Ohr zu haben um später eine Vorstellung davon zu haben, wie die einzelnen Töne der Skala über jeden Akkord klingen. So spielst du beim improvisieren die Töne nicht wahllos, sondern weißt, wo du am Anfang des nächsten Taktes landen musst und spielst die Akkordwechsel aus. Für den gesamten Workshop sollten dir die Intervalle bekannt sein, ebenso die wichtigsten Akkorde und idealerweise auch Barréegriffe, die Kirchentonarten oder zumindest die Molltonleiter. Die Kirchentonarten bzw Modi der Durskala habe ich auf Instagram bereits erklärt, schau doch mal nach.

 

Schauen wir uns doch einfach erstmal die Akkorde von der guten alten reinen Molltonleiter in A an, da diese keine Vorzeichen hat, die dich jetzt verwirren könnten. Die Stufen 1-7 für jeden Ton der Skala sind hier mit römischen Ziffern bezeichnet:

Wenn du dir im Vergleich dazu die Akkorde von A Harmonisch Moll anschaust, sieht das Ganze schon anders aus:

Manche Akkordbezeichnungen sind vielleicht erstmal etwas verwirrend für dich, weil diese nicht so häufig auftauchen. Dim bedeutet diminished, also vermindert. Dieser Akkord enthält nur kleine Terzen. Aug bedeutet augmented, also übermäßig. Hier sind nur große Terzen enthalten. Ein Mollakkord hingegen enthält eine kleine und eine große Terz (zum Thema Akkordaufbau wird es hier aber einen eigenen Artikel geben).

 

[Expertenmodus]: Wenn dir das alles zu simpel ist oder du einfach noch mehr Input haben möchtest, gibt es die Stufenakkorde von A Harmonisch Moll hier als Vierklänge, also zusätzlich mit Septime 😉 :

Im Jazz werden diese Akkorde alle eher mit Barréegriffen gespielt, aber weil ich diesen Workshop für möglichst viele nachvollziehbar und -spielbar machen möchte, habe ich mich für einfachere Akkordformen entschieden. Natürlich kannst du stattdessen auch die Barréeakkorde spielen.

 

Beispiel 1 ist eine Akkordfolge in E Harmonisch Moll. Hier wird der Grundakkord auf der ersten Stufe (I), also Em, und anschließend der Akkord auf der fünften Stufe (V), B, gespielt. Die 5. Stufe wird auch als Dominante bezeichnet. Beachte, dass es sich beim B um einen Durakkord und nicht, wie in der reinen Molltonleiter, um einen Mollakkord handelt. Dadurch ist er enorm spannungsreich und kann schön mit Em aufgelöst werden.

Auch im Jazz kannst du mit Harmonisch Moll etwas anfangen. Die gute alte II-V-I-Verbindung in Moll bietet eine Grundlage für Improvisationen in dieser Skala. Achte darauf, dass du Beispiel 2 im Swingfeel spielst!

In Beispiel 3 spielst du eine I-IV-I-VI-V-Verbindung in A Moll. Im Video weiter unten spiele ich zum Abschluss noch einmal den A Moll-Akkord, damit du hörst, wie das E auf der 5. Stufe aufgelöst wird:

Als nächstes folgt Beispiel 4 mit einer I-II-VII-I-Verbindung. Der D#dim-Akkord auf der siebten Stufe ist, wie auch der Akkord auf der fünften Stufe, enorm spannungsreich, da der Ton D# nur einen Halbton unter dem Grundton der Skala, E, liegt. D#dim klingt nur nochmal ,,böser“ oder ,,dramatischer“ als das B auf der fünften Stufe. Spiele das Beispiel nach und höre selbst 😉 :

Zum Abschluss gibt es ein kleines metallastiges Rhythmusgitarren-Riff in E Harmonisch Moll:

Im Video spiele ich dir die Beispiele vor. So kannst du dich auch mal allein auf den Klang konzentrieren, was beim Üben der einzelnen Akkordfolgen anfangs schwierig ist:

Ich hoffe, du bist jetzt mit dem Klang von Harmonisch Moll etwas vertrauter. Beim nächsten Mal gehen wir dann auf den Aufbau der Skala und das erste Pattern ein, damit du in der Tonart auch solieren kannst (yeah! 😉 ).

 

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