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Akkordumkehrungen auf dem Griffbrett

Gitarrenhals mit Greifhand, die den A Dur-Akkord als zweite Umkehrung greift.

Aufbauend auf meine Artikel zu Drei- und Vierklängen, erkläre ich dir heute, was Akkordumkehrungen sind. Wenn du weißt, wie Dreiklänge aufgebaut sind und du dir z.B. die meisten der offenen Akkorde anschaust, die du am Anfang gelernt hast, wirst du feststellen, dass du die Töne nicht in der Reihenfolge greifst, wie sie in Dreiklängen vorkommt. Die Akkorde sind umgebaut, das kannst du dir wie einen Turm aus Bausteinen vorstellen. Beim Dreiklang wird also z.B. der unterste Baustein weggenommen und auf die anderen gesetzt. Natürlich schauen wir uns gleich auch an, wie das auf dem Griffbrett aussieht. Vielleicht fragst du dich jetzt aber, wozu man Akkorde überhaupt umkehrt. Zum einen, damit man sie besser greifen kann, denn bei Dreiklängen in ihrer eigentlichen Ordnung liegen die Töne auf dem Griffbrett nicht gerade nah beieinander. Dadurch ergeben sich dann unbequeme Fingersätze. Zum anderen klingen Umkehrungen natürlich anders. Dadurch kannst du Variation mit einbringen, wenn du häufig die gleiche Akkordfolge spielst. Außerdem ist es im Zusammenspiel mit einem Bassisten schön, wenn er den Grundton in tieferen Oktavlagen spielt und du auf der Gitarre eine Umkehrung darüber spielst, bei der die Terz oder die Quinte der tiefste Ton ist. So greift alles ineinander. Aber nun schauen wir uns an, wie man Akkorde umkehrt und was für Griffe sich dadurch ergeben.

 

Der offene G Dur Akkord ist ein Beispiel für offene Akkorde in der Grundstellung, also mit der Anordnung Grundton – Terz – Quinte. Wir spielen die Grundstellung aber dennoch anders, damit dir das Prinzip der Umkehrung deutlicher wird. Dafür greifst du die D-Saite im 5., die g-Saite im 4. Und die b-Saite im 3. Bund:

Der G Dur-Akkord in der Grundstellung

Der Grundton G liegt also auf der D-Saite, die Terz auf der g- und die Quinte auf der b-Saite.

 

Nun kehren wir den Akkord um. Zuerst nimmst du also den tiefsten Ton deines Dreiklangturms, den Grundton, und spielst ihn eine Oktave höher, setzt ihn auf die anderen beiden Akkordtöne drauf. In diesem Fall wandert das G dann von der D- auf die hohe e-Saite im 3. Bund:

Bei der ersten Umkehrung von G Dur wandert der Grundton von der D-...
...auf die hohe e-Saite.

Somit hast du die erste Umkehrung von G Dur. Klingt schon völlig anders als der gute alte offene G Dur-Akkord, oder? Bestimmt hast du in irgendwelchen Tabs oder Noten mal Akkordbezeichnungen mit Schrägstrich gesehen. Diese slash chords zeigen dir, dass es sich um eine Umkehrung handelt, denn der Name des eigentlichen Akkords steht vor dem / und der tiefste gegriffene Ton dahinter. Bei der ersten Umkehrung von G wäre die Akkordbezeichnung also G/B (gesprochen: G mit B im Bass).

 

Natürlich kannst du die Umkehrung auch auf anderen Saiten greifen, z.B. auf der D-, g- und b-Saite. Leite dir beim Üben andere Griffe am besten selber her, so wirst du sie dir besser merken:

Die erste Umkehrung von G auf der D-, g- und b-Saite. Der Ringfinger greift die D-Saite im 9., der Zeigefinger die g-Saite im 7. und der Mittelfinger die b-Saite im 8. Bund.

Einen Akkord mit drei Tönen kannst du noch ein zweites Mal umkehren. Bei unserem G Dur wandert dann, ausgehend von der ersten Umkehrung, die Terz eine Oktave nach oben über den Grundton:

Bei der zweiten Umkehrung von G wandert die Terz eine Oktave höher über den Grundton.
Die zweite Umkehrung von G greifst du wie den offenen D Dur-Akkord, nur mit Zeige- und Mittelfinger im 7. statt im 2. Bund.

Die Quinte D ist jetzt also der tiefste Ton. Dieser Griff wird dir vom offenen D Dur-Akkord bekannt vorkommen. Damit schließt sich der Kreis: viele der dir bekannten Akkorde auf der Gitarre sind Umkehrungen der jeweiligen Dreiklänge.

 

Und wie sehen diese Umkehrungen für G Moll aus? Da du für einen Mollakkord eine kleine statt einer großen Terz brauchst, greifst du auf den Saiten, auf denen sich die Terz in der entsprechenden Umkehrung befindet, einfach einen Bund tiefer. Für die erste Umkehrung von G auf der D-, g- und b-Saite also die D-Saite im 8. Statt im 9. Bund. In den Tabs sieht das so aus:

Erste und zweite Umkehrung von G Moll.

Das sind die Griffe für Akkordumkehrungen auf den hohen vier Saiten. Natürlich kannst du die Umkehrungen auch auf der tiefen E-, A- und D-Saite spielen. Leite dir mit dem Wissen aus diesem Artikel die Griffe, wie gesagt, am besten selbst her. Außerdem kannst du diese Griffe frei über’s Griffbrett verschieben und so auch Umkehrungen von anderen Akkorden bilden. Mache dir die Funktionen und die Lage der Töne in der jeweiligen Umkehrung beim Üben bewusst und übertrage die hier gelernten Dinge auf andere Akkorde. So verbesserst du auch deine Griffbrettkenntnis.

 

Theoretisch lassen sich auch Vierklänge umkehren, aber die Griffe sind dort nicht so gut nachvollziehbar wie für Dreiklänge. Entweder du musst Saiten überspringen, um die Umkehrung hinzubekommen oder du kannst die Töne auf benachbarten Saiten nicht der Umkehrung entsprechend anordnen. Experimentiere trotzdem ein wenig damit herum und versuche, Vierklänge nur auf den hohen vier Saiten zu greifen.

 

Das war’s erstmal zur Theorie hinter den Akkorden. Mit dem Wissen aus meinen Artikeln hast du hoffentlich sowohl ein besseres Verständnis für Harmonien, als auch die Grundlage dafür, dir Akkorde selbst herzuleiten. Denn dadurch lernst du mehr, als durch's Auswendiglernen von Grifftabellen.

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