· 

10 gute Gründe, warum du Lieder nachspielen solltest

Ich habe in meiner Gitarristenlaufbahn schon mit dem ein oder anderen Musiker gesprochen, der meinte, dass er keine Lieder nachspielen wolle. Natürlich gibt es nicht den einen Weg, Gitarre spielen zu lernen, aber mir persönlich hat es bisher sehr geholfen, ein gewisses Repertoire an Songs verschiedener Stile und Interpreten zu haben. Hier sind 10 gute Gründe, warum es sinnvoll ist, ,,nachzuklimpern“ :

 

1. Um Techniken, Konzepte und Theorie anzuwenden und zu sehen, wie diese in der Praxis funktionieren

Technikübungen oder Skalen zu üben, ist wichtig. Aber wenn du z.B. ein Solo spielst, dudelst du ja nicht einfach deine Tappingübungen oder Skalen runter. Um zu sehen, wie die von dir gelernten Übungen praktisch anwendbar sind und im musikalischen Kontext funktionieren, ist es gut, wenn du deine Lieblingssongs und -gitarrensoli konzentriert nachspielst und analysierst. Welche Akkorde kommen im Song vor? Was spielt die Leadgitarre über die einzelnen Akkorde? Dabei lernst du auch noch viel über Songwriting und wirst mit dem daraus gewonnenen Verständnis noch bessere Soli spielen. Der nächste Grund schließt hier nahtlos an.

 

 2. Um dein Lickrepertoire zu erweitern

Musik ist eine Sprache und wenn du ein Solo spielst, möchtest du etwas aussagen. Licks sind dein Vokabular dafür. Die meisten Gitarristen haben ein gewisses Lickvokabular, auf das sie beim Improvisieren zurückgreifen können. Und oft leihen sie sich Licks ihrer Vorbilder aus und variieren sie ggf. passend zum musikalischen Kontext. Auch dir wird es helfen, dir deine Lieblingslicks anzueignen und so gut spielen zu können, dass du sie immer parat hast. Gerade, wenn du live improvisieren sollst und schwitzige Hände vom Lampenfieber hast. Außerdem ziehen bekannte Licks bzw Variationen davon deine Hörer in deinen Bann, schließlich reagieren viele am besten auf etwas, was sie schon kennen.

 

3. Um Inspiration für eigene Ideen zu bekommen

Die von dir gelernten Licks kannst du natürlich auch variieren und hast so ein eigenes Repertoire. Oder du spielst einen Song und wirst dadurch inspiriert, selber zu schreiben. Und dich von anderen Liedern inspirieren zu lassen, ist auch vollkommen okay. Solange du nichts 1:1 kopierst, wird das was du schreibst immer deinen eigenen Stil enthalten und nach dir klingen, da du immer verschiedene (eigene) Ideen zu einem Ganzen zusammenfügst. Natürlich macht auch deine Spielweise den Unterschied, denn jeder wird verschiedene Dinge auf seine Weise artikulieren. So oder so ist Inspiration nicht gleich Plagiarismus und du solltest beim Songwriting nicht daran denken, ob es deine Idee so schon einmal gab. Das blockiert dich nur unnötig.

 

 4. Um etwas Neues zu lernen

Wenn du Songs nachspielst, wirst du sicher auf Spieltechniken oder Skalen stoßen, die du noch nicht kennst. Beispielsweise im Metal wird gerne auch auf Skalen zurückgegriffen, die über die gute alte Dur oder Moll-Tonleiter hinausgehen. Gerade Harmonisch Moll findet in der Stilistik gerne Verwendung (dazu wird es hier auch einen Workshop geben). Und da Metal nunmal auch eine technisch sehr anspruchsvolle Stilistik ist, wirst du früher oder später Techniken wie Tapping, Sweep Picking etc lernen, die du noch nicht kennst.

 

 5. Um spontan mit anderen Musikern jammen zu können

Wenn man zu Jamsessions im Jazz geht, werden eigentlich immer Songs nachgespielt, nämlich die guten alten Standards. Die bekannten Harmonien bilden dann den Rahmen für Improvisationen der einzelnen Musiker. Aber auch wenn du kein Jazzer bist, ist es gut, wenn du ein paar Klassiker aus welcher Stilistik auch immer kennst, die du spontan mit anderen spielen kannst. Denn ob du nun Musiker für eine Band suchst bzw selber vorspielst oder du einfach mit anderen locker Musik machen möchtest, kann peinliches Schweigen herrschen, wenn die Frage:,,Was wollen wir spielen?“ aufkommt und du keine Lieder kennst. Außer natürlich, dich küsst in solchen Momenten jedes Mal die Muse und du schüttelst mal eben etwas eigenes aus dem Ärmel. Wenn das so ist: Respekt!

 

6. Damit du etwas spielen kannst, was Spaß macht, wenn du mal einen schlechten Tag hast

Manchmal klappt einfach nichts von dem, was du spielst. Die Übungen scheinen extrem mühselig. alles was du improvisierst klingt für dich schlecht und du willst die Gitarre am liebsten wieder wegstellen. Wenn du stattdessen einfach einen deiner Lieblingssongs anschmeißen und dazu mitspielen kannst, kann das Frustration vorbeugen. Und dir den Tag retten.

 

7. Um dir konkrete Ziele setzen zu können und dich immer neu herauszufordern

,,Bis in X Monaten will ich Song Y spielen können“. Sich Ziele zu setzen und darauf hinzuarbeiten ist wichtig, um dich zu motivieren. Außerdem kannst du dich viel mehr auf das fokussieren, was du übst, wenn du weißt, warum du es übst. Natürlich solltest du dir auch Songs vornehmen, die außerhalb deiner Komfortzone liegen und die dich fordern, denn nur so verbesserst du auch deine Fähigkeiten. An kniffligen Dingen zu arbeiten kann frustrierend sein, aber nimm dir Zeit, übe schwierige Stellen intensiv und langsam und stelle dir vor, wie du den Song schließlich komplett spielst. Und wenn du es dann geschafft hast, wirst du feststellen, was für ein tolles und beflügelndes Gefühl das ist.

 

8. Weil du deinen Fortschritt besser verfolgen kannst -> je besser du spielst, desto schwieriger die Songs, die du spielen kannst

 Grund 7 ist auch eine gute Methode, um zu sehen, wie sehr sich deine Fähigkeiten verbessert haben. Oft merkt man nicht, dass man Fortschritte gemacht hat und hat vielleicht sogar das Gefühl, nicht weiterzukommen. Wenn du dann einen Song spielst, den du z.B. vor einem Jahr noch nicht spielen konntest, ist das sehr motivierend und gibt dir Selbstvertrauen. Und Motivation und Selbstvertrauen sind in Momenten des Selbstzweifels natürlich das Wichtigste.

 

9. Weil du durch transkribieren dein Gehör schulst

Du findest es langweilig, Lieder nach Noten oder Tabs auswendig zu lernen? Verständlich! Dann höre dir die Songs, die du magst, doch einfach selber raus. Das schult dein Gehör (sofern du es mit System machst, nicht nur wild ausprobierst und die Sachen auch ausnotierst) und fordert dich mehr, als wenn du nur abliest und auswendiglernst. Wenn du wirklich jedes Instrument transkribierst, lernst du gleichzeitig auch, wie Gesangsmelodien funktionieren, wie Drumbeats aufgebaut sind und wie der Bass als Verbindungsglied der Rhythmusgruppe funktioniert. Außerdem ist es immer wieder spannend, beim Transkribieren herauszufinden, wie ein Song funktioniert und die einzelnen Instrumentenspuren übereinander gelegt sind und ineinander greifen.

 

10. Weil es Spaß macht

 Dazu muss ich nicht viel schreiben, oder 😉 ?

 

So oder so, Lieder nachzuspielen schadet niemandem und mindert auch nicht deine eigene Kreativität. Sie kann sogar dadurch befeuert werden. Also probier es doch einfach aus und wenn du bereits ein gewisses Repertoire hast, erweitere und pflege es!

 

 

 

 

Kommentare: 0